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Gentleman

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Dienstag, 26.07.2022, 20:00 Uhr
Zeltspektakel Festivalgelände Winterbach
Tickets
Veranstaltungspreise: 51,00 EUR
„Blaue Stunde“ – Album-Bio

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    Auf Deutsch zu singen, aus der eigenen musikalischen Komfortzone auszuscheren und ein völlig
    neues Territorium zu markieren – für Gentleman mag ein solcher Schritt die Art von kreativer
    Herausforderung darstellen, mit der er sich, quetscht man seine Vita auf Bierdeckelformat zusammen,
    im Grunde seit seinem Karrierestart konfrontiert sah. Reggae- Konvertit und Dancehall-
    Hundertprozenter mit 16 (was in dieser Republik damals bestenfalls als generationsbedingte
    Anomalität durchging!), mit 18 erstmals nach Jamaika durchgebrannt. Später, in der zweiten Hälfte
    der 90er, mucho Patois parlierend jamaikanische Badlands und deutsche Reggae-Outbacks
    stürmend. Seit Anfang der Nullerjahre im internationalen Tour- & Festival-Hopping-Dauereinsatz
    Yankees und Yardies, Hood Rats und Hausfrauen verhexend, und bis heute als erster und einziger
    Reggae-A-List-Ambassador dieses Landes einsam seine Kreise ziehend. Pole position 4 life,
    sozusagen.



    Aber, ja, Gentleman auf Deutsch ist „ein anderer Schnack“, um ihm hier einmal seine eigenen Worte
    aus dem Mund zu nehmen. Umso erstaunlicher die frappierende Natürlichkeit, die Schwerelosigkeit,
    mit der ihm nicht nur der sprachliche Switchover gelingt – und das unter Beibehaltung vieler
    Neologismen seiner Jamaika-verhyperlinkten Lingo! –, sondern auch das verlustfreie Transferieren
    seines Timbres (zu dessen unverwechselbarem Charakter natürlich auch seine patentierten Ad-libs
    und die vokalen Wolkenkissen seines Backing-Harmony- Engels Sherieta Lewis entscheidend
    beitragen!).



    Dabei war die Roadmap für sein erstes deutschsprachiges Album bereits seit 2017 vorgezeichnet.
    Genauer gesagt seit seiner Teilnahme an der vierten Staffel von „Sing meinen Song“, wo ein derart
    fulminantes Feedback über ihm zusammenkrachte, dass auch ein selbstkritischer, alles andere als PR-
    Geblubber-affiner Conscious Brother wie er frisch geweckte Erwartungen und Tsunami-artig
    anschwellende Sehnsüchte nur schwer hätte ignorieren können („Sing Deutsch, bitte!“) – und die
    Flucht nach vorne antrat! Und so wurde eine neue Agenda aus dem Boden gestampft, die nicht nur
    den Reboot des eigenen Lyric- Prozessors erforderte, sondern auch das Requirieren von
    Songwriting-Sidekicks, die ins Portfolio passten, eine Wahl, die letztendlich auf den Samy Deluxe-
    Amigo Damion Davis und auf Mario „Malo“ Wesser fiel (letzterer ging aus dem Dunstkreis des Seeed-
    affilierten Producer-Teams The Krauts hervor).



    „Damion ist mehr Hip-Hop“, urteilt Gentleman. „Malo mehr gestylt, Pop, arbeitet ganz strukturiert, wie
    ein Zahnrad. Musste dann immer aufpassen, dass es nicht zu sehr in diese oder jene Richtung kippt,
    oft gegenjustieren, um bei meiner DNA zu landen.“ Die produktionstechnische Präzisionsarbeit
    schultern dieses Mal hauptsächlich Jugglerz, der Konstanz/Stuttgarter Dancehall/Traphall-Brain-Trust
    um DJ Meska, Jopez & Sir Jai, sowie der von Kingston nach Miami emigrierte Crack-Producer Don
    „Vendetta“ Corleon, mit dem Gentleman verlinkt ist, seit er mit „Intoxication“ den Boss-Tune auf
    „Drop Leaf“ entkorkte, jenem Riddim, der 2004 wie ein Riesenobelisk aus Jamaikas Roots & Culture-
    Kolosseum herausragte. Zwecks Erweiterung des instrumentalen Tableaus und finalem Fine-Tuning
    wurden darüber hinaus für knapp ein Drittel der Tracks noch Compañeros von Gentlemans Evolution
    Band eingespannt, unüberhörbar dabei Keyboarder Frank „Polle“ Pollak und Master- Drummer Josie
    „Big Finga“ Coppola.

    Was „Blaue Stunde“ zur schwersten Geburt von Gentlemans Karriere machte, war vor allem die
    Entwicklung einer neuen, sich erst peu à peu herausschälenden Singsprache, die quälende „Suche
    nach den richtigen Worten“, wie er selbst es bei „Wieder gehen“ auf den Punkt bringt. „Natürlich war
    mir von Anfang an bewusst, dass man nicht einfach das Patois- Ding ins Deutsche übersetzen kann“,
    kommt er auf die Crux dieses Projekts zu sprechen. „Also Storytelling, was ich ja Jahrzehnte gemacht
    hab‘, we against them und so. Oder situativ irgendwelche Geschehnisse zu beschreiben,
    Ungerechtigkeiten zu behandeln, Leuten, die keine Stimme haben, eine zu geben. Righteousness,
    oder take care of Mama Earth, oder love your Muma – alles cool, alles notwendig, bin froh, dass es
    dafür einen Platz gibt ... aber das funktioniert diesmal nicht so. Mamma Tunes auf Deutsch? Geht
    irgendwie schlecht. Oder Songs über das babylonische System, das sich ja auch krass verändert hat,
    ... das ist ja auch nicht mehr das Babylon im Vergleich von vor 30 Jahren. Und es ist ja überhaupt so’n
    Ding, wie weit geht man? Wir fliegen dorthin (nach Jamaika), biggin‘ the kulcha, fliegen zurück und
    singen auf Patois Mucke ... und sind auch noch erfolgreich damit! Erfolgreicher als jamaikanische
    Artists – die das ja schon viel länger machen. Es war immer auch ein Zwiespalt. Und der löst sich mit
    diesem Album einfach.“



    Und diese Einlässe erklären letztendlich, dass „Blaue Stunde“ nicht einfach „nur“ Gentleman umgepolt
    auf Muttersprachen-Modus ist, sondern tatsächlich Gentleman 2.0. – reanimiert, rekonfiguriert. Keine
    Rude-Boy-Rochaden, kein Messenger- oder Messias-Komplex, keine Selbsternennung zum
    Dancehall-Detonator, -Dominator, -Terminator oder -Sperminator, kein Gott-, Ganja- oder Gangsta-
    Flex, keine Second Hand-Sentiments, sondern Selbsterlebtes auf der Referenzpalette,
    autobiographische Realness – straight! „Meine Stories, meine Gedankengänge, immer der persönliche
    Input, immer biographisch, darum ging es mir“, wie es Gentleman summiert.



    Songs, die eloquent und emotionsflirrend die eigene Köln-/Kingston-Rotationsbahn austarieren, die
    ihn beim Pflanzen in seinem Garten oder beim Flussschippern auf seinem dunkelblauen Boot verorten
    – Gentleman hat tatsächlich mittlerweile seinen Bootsführerschein in der Tasche! –, oder ihn, zu einem
    locker joggenden Jugglerz-Beat mit Sido als Special Guest, über einen anderen sonnigen Scheißtag
    sinnieren lassen. Oder die sich, wie „So nah“, an den gebrochenen Banden einer einstigen
    Blutsbrüderschaft abarbeiten, ein Song, der einen mittels Split-Screen-Storytelling auf eine fast schon
    transzendente Metaebene entführt und Gentleman-Followern die Münder wie Mäusefallen
    aufspringen lassen dürfte – „a who him a talk `bout?“, jamaikanisch formuliert. Oder „Mehr als mich“,
    das sich auf einem lichtdurchlässigen, Violinen-umspülten Akustik-Beat anschleicht, eine ursprünglich
    für Tarrus Riley reservierte Ballade, die mit lines wie „Freiheit ist wenn Sehnsucht stärker wird als
    Vernunft“ lange nachglüht.



    Dazwischen geträufelt gelegentliche Richterskalen-Ausreißer wie der Boom Blaster „Feierwahn“ auf
    einem Riddim, den Don Corleon „Can’t Cool The Fire“ getauft hat. Oder „Staubsauger“, ebenfalls eine
    Corleon-Kreation und nicht minder Boombox-ready, wo Gentleman einen springlebendigen One-
    Drop-Riddim sattelt, lyrisch in den fünften Gang schaltet und „einfach draufhält“, um ihn beim Wort
    zu nehmen. Nicht zu vergessen „Bruder“, ein weiterer Corleon-skulpturierter Bubbler, bei dem die
    Punchline eine gewaltige Bugwelle wirft und sich Summer Cem nonchalant den dritten Verspart unter
    den Nagel reißt; „Autotune-Business“, wie Gentleman mokant anmerkt, „kommste bei dem bärigen
    Düsseldorfer nicht drum herum.“



    Und so ist es schlussendlich die thematische und gedankliche Geschlossenheit, die das Album vom
    Opening Shot „Ahoi“ – sozusagen die Matrix für sein neues Artikulationsmodell – bis zum elegischen
    Grand Finale „Ich komm zurück“ zu einer Widescreen-Affäre macht; fully loaded – ein 16-Gänge-




    Menü, immerhin! – und somit gleichsam Gentlemans Magnum Opus und Mémoire Magnifique. „Es gab
    eigentlich nie zuvor ein Album, wo ich solange brauchte, bis das Gefühl kam: jetzt kann ich endlich
    loslassen“, kommentiert Gentleman sein Soul Searching, den schier endlosen Selektionsprozess des
    Entwerfens und Verwerfens von Song-Ideen, Skizzen und Layouts mit seinen Co-Autoren in Hawaii,
    Teneriffa, oder zuletzt, Corona- erzwungen, per Videoschalte. Ein Prozess, der dazu führte, dass
    „Blaue Stunde“ drei lange Jahre im Inkubator steckte. „Und heute kann ich mich endlich zurücklehnen
    und sagen, OK, da ist ‘ne Erfahrung drin, ‘ne Vaterrolle, es ist sehr männlich, hat irgendwie
    Verantwortungsbewusstsein, hat aber auch ‘nen Rock’n’Roll-Vibe ... und es erzählt einfach ganz viel
    von mir. Ich pack‘ halt wirklich mal aus.“ Und dann, nach einer Reflexionspause, sozusagen im
    gedanklichen Epilog: „Das Schlimmste war früher immer, dass man bei allem, wo man nicht so viel
    Liebe reingesteckt hatte, im Nachhinein dachte, oh fuck, es ist für immer da. Aber bei ‚Blaue Stunde‘
    kann ich jetzt tatsächlich sagen: wow, I’m happy with it!“



    © Ulli Güldner 2020
  • Künstler

    Gentleman

    Gentleman ist ein deutscher Reggae-Musiker und gehört zu den wenigen deutschen Reggaemusikern deren Musik auch in Jamaika beliebt ist. Gentleman orientiert seine Musik vor allem an der [...]

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  • Veranstaltungsort
    Zeltspektakel Festivalgelände Winterbach
    Mühlstraße
    73650 Winterbach
    Herzlich Willkommen zum Winterbach Zeltspektakel, das seit 1995 schon viele Größen aus Rock, Pop, Jazz und weiteren Genres auf die Bühne brachte.
    Egal ob mit öffentlichen Verkehrsmittel, mit dem Fahrrad, mit dem Auto oder zu Fuß, der Weg zum Festivalgelände ist ausreichend beschildert.
    Mit dem Auto kommt man am besten über die Bundesstrasse B29 (aus Aalen / aus Stuttgart) - Ausfahrt "Winterbach". Beim 1. Kreisverkehr (Hotel Engelberg / Abramzik-Markt) in Richtung Schorndorf parallel der Bundesstrasse. Geradeaus und das Festivalgelände ist rechts zu sehen. Bereits hier beginnen übrigens unsere Parkmöglichkeiten! Kleinere Taschen dürfen auf das Festivalgelände mitgenommen werden, solange sie eine Größe von DIN A4 nicht überschreiten. Bitte beachten Sie, dass Taschengröße und Tascheninhalt am Eingang kontrolliert werden. Im Falle, dass Sie keine Tasche mitführen haben Sie die Möglichkeit, sich an der ausgeschilderten „Fast Lane“ anzustellen. Hier erwarten wir kürzere Wartezeiten, da keine Taschen kontrolliert werden müssen.
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