Mi., 01.02.2017 - 19:30 Uhr

Michael Martin: Planet Wüste

Stadthalle Herrenberg


Fast die Hälfte der Landoberfläche werden von Trockengebieten, Kältewüsten und Eiswüsten eingenommen. Während die Kälte- und Eiswüsten jenseits der beiden Polarkreise zu finden sind, ziehen sich die Trockengebiete in zwei Gürteln entlang der beiden Wendekreise um die Erde.
Die Idee dieses Projektes ist, diese vier Extremzonen der Erde miteinander zu vergleichen, Parallelen aufzuzeigen und auf Unterschiede hinzuweisen. Ich folge hierbei einem klassischen geografischen Ansatz, der zonalen Einteilung der Erde, die letztlich auf den unterschiedlichen Einstrahlwinkel der Sonne zurückgeht.
So ergibt sich eine Einteilung in Arktis, die Wüsten der Nordhalbkugel, in die Wüsten der Südhalbkugel und in die Antarktis. Ich stelle 26 Regionen in diesen Extremzonen der Erde vor und versuche aus diesen Mosaiksteinen ein möglichst umfassendes Bild des Wüstenplaneten Erde zu schaffen.
Die Bilder entstanden auf vierzig Reisen, die ich zwischen 2009 und 2015 durchgeführt habe. Es waren angenehme Reisen darunter, aber auch schwierige Touren und Expeditionen in die entlegensten Winkel unserer Erde. Immer wieder bin ich voller Elan und Begeisterung mit meiner Kamera losgezogen und war offen für alles, was mich zwischen Nordpol und Südpol erwartete. Reisezeitpunkt und Verkehrsmittel passte ich den Verhältnissen vor Ort an, meine Reisepartner waren je nach Ziel und Reise meine Freunde Jörg Reuther, Thilo Mössner, Ralf Leistl und meine Frau Elly. Meist waren wir zu zweit unterwegs, oft auch dritt, manchmal zog ich alleine los.
Ich bin auf diese vierzig Reisen den unterschiedlichsten Menschen begegnet und machte fast immer gute Erfahrungen. Ich wurde in Nomadenzelte, Hütten und Jurten eingeladen, nach allen Kräften unterstützt, vor Gefahren bewahrt und mit lokalen Informationen versorgt. Diesen Menschen bin ich zu großem Dank verpflichtet.
Wüsten und Polarregionen bringen es mit sich, dass ich oft tagelang keinem Menschen begegnet bin, dennoch war ich nie einsam und verloren. Vielmehr fühlte ich mich eins mit der grandiosen, unberührten Natur und genoss es, die Elemente hautnah zu spüren. Ich liebte es, meine Eindrücke und Erlebnisse mit der Kamera einzufangen. Die Aussicht auf besondere Bilder hat mich auf die höchsten Dünen klettern und in die tiefsten Gletscherhöhlen kriechen lassen. Ich bin aber nicht nur als Fotograf um die Welt gereist, sondern auch als Geograph, der versuchte, Zusammenhänge zu erkennen und die Natur zu verstehen. So individuell die Erkenntnisse auch waren, ich versuchte immer, sie in einen größeren, globalen Zusammenhang zu stellen.
Im Lauf der Arbeit an diesem Projekt wurde mir bewusst, dass die Phänomene Wüste und Eis nicht auf unsere heutige Erde beschränkt sind. Ich erfuhr, dass die Erde in früheren Erdzeitaltern zeitweise fast komplett vereist war, in anderen Zeiten sich globale Wüsten ausbreiteten. Außerdem wurde mir bewusst, dass Wüste und Eis im ganzen Sonnensystem zu finden sind, so dass ich mich entschloss, Multivision und Buch mit einer Reise durch das Sonnensystem zu beginnen, bevor ich Sie einlade, mit mir viermal um die Erde zu reisen.


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