Künstler:

Musikfest Stuttgart 2017


"Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst, durch Nichtgebrauch dahinschwindet." Carl Friedrich von Weizsäcker.

Freiheit“ ist das Thema des Musikfest Stuttgart 2017. Wie gestaltet man ein Musikfest-Programm zum Thema Freiheit? Elf inhaltlich beliebige Tage frei nach dem Motto anything goes werden ihm auf keinen Fall gerecht. Freiheit – ein dialektisches Phänomen? Das theologische Herzstück von Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion formuliert die innere Gegensätzlichkeit von Freiheit in dem zentralen Choral „Durch Dein Gefängnis Gottes Sohn / muss uns die Freiheit kommen“. Mit der selten gespielten zweiten Fassung des Werks eröffnen Akademieleiter Hans-Christoph Rademann und das Junge Stuttgarter Bach Ensemble (JSB-Ensemble) am 31. August das diesjährige Musikfest. Doch schon ab dem 28. August zeigt die Bachakademie Präsenz mit öffentlichen Proben, Gesangs-Meisterkursen, moderierten Werkstattkonzerten, einem Musikfestchor und Vorträgen in der Reihe Klangatelier. Damit werden die aus der Bachwoche bekannte Vermittlungsarbeit mit Nachwuchsmusikern und das Studium Generale ins Musikfest integriert. Neben dem Eröffnungskonzert erhalten die jungen Künstler noch weitere Auftrittsmöglichkeiten im Musikfest: der JSB-Chor singt in den Wandelkonzerten zum Wein und im Eröffnungsgottesdienst, das JSB-Orchester bestreitet eine eigene Matinee. Darüber hinaus sind beide in Konzerten der Reihen Unternehmen Musik (im Kärcher Auditorium) und Sichten auf Bach zu hören: ersteres unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann und letzteres unter der Leitung von Helmuth Rilling. Erstmalig existiert in diesem Musikfest eine enge Verzahnung zwischen Vorträgen im Klangatelier und einzelnen Konzerten, um so noch mehr ein Hand-in-Hand aus Reflexion und künstlerischer Darbietung zu gewährleisten. Zehn Tage nach dem Eröffnungskonzert schließt sich am 10.September im Abschlusskonzert der thematische Kreis des Musikfests mit Georg Friedrich Händels Oratorium „Belshazzar“, aufgeführt von der Gaechinger Cantorey und hochkarätigen Solisten unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann. Zwischen Eröffnungs- und Abschlusskonzert sind Konzerte mit den unterschiedlichsten Programmen zum Thema Freiheit angesiedelt. In Kooperation mit dem Europäischen Kultursommer Fellbach liefert das römische Ensemble Concerto Romano in der Fellbacher Lutherkirche mit Musik aus dem 16. Jahrhundert den Soundtrack zum Romaufenthalt des Reformators Martin Luther im Jahr 1510. An zwei Abenden begibt sich die Internationale Bachakademie zum ersten Mal im Musikfest in den Club Im Wizemann, um dort zwei ungewöhnliche Formate auf die Bühne zu bringen. Ein Abend ist mit Stylus Phantasticus überschrieben, in dem das Freiburger BarockConsort(die Kammermusikformation des Freiburger Barockorchesters) und das ensemble recherche mit Werken aus dem 16./17. Jahrhundert bzw. Musik des 20. Jahrhunderts und einer Uraufführung in einen Dialog zwischen den Jahrhunderten treten. Am anderen Abend entführen die norwegischen Barokksolistene das Publikum in eine Alehouse Session aus dem England des 17. Jahrhunderts, dessen Musik stilistisch vollkommen frei zwischen feiner Kunstmusik, derber Folklore und ausgelassenen Improvisationen changiert. Zwei Streichquartett-Abende widmen sich

weiteren, gänzlich anderen Facetten von Freiheit: Zu den Memoiren des großen Verführers und Weltbürgers Giacomo Casanova (gelesen von Sky du Mont), in denen dieser über die Freiheit des menschlichen Willens sinniert, gesellt sich das Schuppanzigh Quartett mit Werken seiner Zeitgenossen. Das delian::quartett begibt sich mit der Sängerin Miah Persson auf einen Streifzug durch die Musikgeschichte und nimmt in eigenwilligen Werken von Monteverdi bis Schönberg das Phänomen musikalischer Freiheit(en) unter die Lupe. Das Rückgrat eines jeden Musikfests bilden die Reihen Sichten auf Bach und Unternehmen Musik. Dazu zählt auch das BACH.LAB, eine spätabendliche Clubschiene, die sich als Experimentierstube wie Gegenwelt zum musikalischen Tagesgeschehen sämtliche Freiheiten zum Thema Johann Sebastian Bach nimmt: mit Bachs Inventionen im Duo von E-Bass und Violine (zugleich ein Konzert der Reihe Unternehmen Musik bei der Firma Endress + Hauser), mit den schönsten langsamen Sätzen von Johann Sebastian Bach in Kombination mit jazziger Weltmusik, dargeboten von einem Trio aus Akkordeon, Theorbe und Tuba um den Jazzmusiker Michel Godard, sowie mit dem jungen Klaviertrio Dock In Absolute, das seine ganz eigenen Jazzversionen von Bachs Musik im Theaterhaus präsentiert. Die Konzerte im Unternehmen Musik haben sich ebenfalls dem Musikfestthema verschrieben, sei es mit einem musikalisch grenzenlosen Open-Air-Konzert beim Klett-Verlag, in dem der Zigeunergeiger Roby Lakatos mit seiner Gruppe nicht nur aus Brahms einen virtuosen Wandervogel macht, oder mit der österreichischen Bläsertruppe FEDERSPIEL, deren eigenwillige Art, Musik unterschiedlichster Sphären miteinander zu verknüpfen nur als »Anarchie zwischen den Stilen« bezeichnet werden kann. Sergey Malov und Alexander Grychtolik mit seiner Deutschen Hofmusik bringen Bachs enge Verbindung nach Köthen zum Klingen und reflektieren darüber in einem vorangestellten Klangatelier. Die Konzerte von Konrad Junghänel und seinem Cantus Cölln, Hans-Christoph Rademann und seiner Gaechinger Cantorey sowie Helmuth Rilling und dem von ihm einst ins Leben gerufenen JSB-Ensemble erzählen von Bachs musikalischem Blick auf eine himmlische Freiheit, die nicht von dieser Welt ist.

Das Musikfest schafft mit seinem Konzertprogramm aus inhaltlich zusammenhängenden Musikwerken eine Atmosphäre, erzählt eine Geschichte, die uns kurz unsere tägliche Existenz vergessen und andere Perspektiven einnehmen lässt, sodass wir am Ende eines Konzerts wie nach einer längeren Reise als Veränderte mit neuen Erfahrungen den Saal verlassen. Klingt das nun sehr idealistisch? Vielleicht. Aber auf genau eine solche innere Freiheit zielt das Programm des Musikfest Stuttgart 2017 ab.

 

 

 

 

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