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Musikfest Stuttgart 2016


In den Wandelkonzerten zum Wein geht es in Uhlbach um regionalen Reichtum: Neben guten Tropfen aus der Region entführen in der Kelter romantische Gitarrenklänge und Wilhelm Hauffs Phantasien im Bremer Ratskeller (»Eine Herbstgeschichte für Freunde des Weins«) in die stimmungsvolle Atmosphäre einer Schauergeschichte. In der Andreaskirche erwartet die Zuhörer ein Vokalensemble mit Trink- und Volksliedern, während das Oriental Jazz Ensemble FisFüz im Weinbaumuseum mit exotischen Klängen nachwürzt.

Regionaler Reichtum war auch die Musik der »Mannheimer Schule«, die als musikalische Avantgarde die Mozart-Zeit durcheinander wirbelte und den jungen Salzburger fast zum Bleiben im Ländle verführt hätte. Dieser historischen Bereicherung eines der größten Genies der Musikgeschichte widmen das Mannheimer Mozartorchester und Reinhard Goebel ein mitreißendes Programm.

Auf den Erfindungsreichtum der Region Stuttgart zugeschnitten sind die ungewöhnlichen Formate der Musikfest-Reihe »Unternehmen Musik«, die 2016 ins zweite Jahr ihres Bestehens geht. Im Innenhof des Klett-Verlags präsentiert das Terem Quartet russische Bach-Klänge, lässt das Gershwin Piano Quartet im Mercedes-Benz Museum auf vier Steinway-Flügeln mit der Musik Tschaikowskis, Wagners, Gershwins die alte Partnerschaft zwischen William Steinway und Gottlieb Daimler aus dem 19. Jahrhundert wieder aufleben. Und das großartige Keller Quartett spannt mit einem innovativen Programm im Auditorium der Alfred Kärcher GmbH einen Bogen zwischen Tradition und Moderne, der genau zum gastgebenden Unternehmen passt.

Venedig, La Serenissima, war im Barockzeitalter ein Synonym für Reichtum schlechthin, nicht nur als florierende Handelsrepublik, sondern auch als Ort für opulente Vokalmusik. Claudio Monteverdis »Marienvesper« steht für diesen reichen Klang im Raum und eröffnet das diesjährige Musikfest.

Perspektivwechsel: Die Vorstellung eines himmlischen Reichtums, die sich in Anton Bruckners 9. Sinfonie (»dem lieben Gott gewidmet«) und in Johann Sebastian Bachs Solokantate »Ich habe genug« artikuliert, durchzieht ebenso die einzelnen Bach-Kantaten in den mittäglichen »Sichten auf Bach«.

Auch die Schattenseiten des Reichtums kommen im Musikfest zu Wort. Mit scharfer Ironie, plastischer Anschaulichkeit und trockenem Humor hat in den 1920er Jahren eine »Neue Sachlichkeit« den schneidenden Kontrast zwischen arm und reich thematisiert. Eine politische Kunst, die Tora Augestad und ihre Gruppe »Music for a while« nun virtuos auf die Bühne des Theaterhauses bringen.

Den Abschluss markiert schließlich Georg Friedrich Händels Oratorium »L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato«. Im Sinne der Aufklärung stellt dieses Werk die Frage nach dem richtigen Maß im Leben. Zwischen den Polen Frohsinn und Melancholie plädiert es für den Mittelweg der Mäßigung (Il Moderato) – und rückt damit zum Ende des gesamten Musikfests den Menschen selbst in den Mittelpunkt: Der größte Reichtum liegt eben in der menschlichen Natur.

[Henning Bey]

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